Wasser im Fokus: GLP auf Exkursion zur ARA und Trinkwasserversorgung Hard
Wasser ist unsere Lebensgrundlage – wie sichern wir die Versorgung und Aufbereitung in Zeiten von Extremwetterereignissen und „ewigen“ Schadstoffen (forever chemicals)? Wie funktioniert die Wasseraufbereitung in der Region – und was geschieht bei Starkregen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Exkursion der GLP Winterthur Land Ende Oktober 2025.

Der Betriebsleiter Christian Thürlimann führte die Gruppe zu Beginn durch die ARA Hard am Ortsrand von Neftenbach und erklärte die einzelnen Reinigungsstufen.
Ein besonderes Highlight war der Aufstieg auf einen der Faultürme – die weithin sichtbaren Wahrzeichen der Anlage. Von oben bot sich ein eindrücklicher Blick über das gesamte Areal. Im Faulturm wird Klärschlamm vergoren, wobei Biogas entsteht, das zur Energieproduktion genutzt wird. So deckt die Anlage den eigenen Bedarf zu 80% ab.
Bei Starkregen wird nur teilweise gereinigt
Deutlich wurde auch: Bei Starkregen stösst die ARA an ihre Kapazitätsgrenzen. Überschüssiges Wasser wird in Regenrückhaltebecken geleitet, wo Feststoffe entfernt werden, bevor es in die Töss eingeleitet wird. Eine vollständige Reinigung ist in solchen Spitzenmomenten nicht möglich. Da ein Ausbau für Maximalmengen finanziell nicht tragbar wäre, setzt man in den Gemeinden zunehmend auf Trennung von Regen- und Schmutzwasser sowie Konzepte wie die Schwammstadt, bei der Regenwasser lokal versickern kann.
Die Abwasserreinigungsanlage wird bald erweitert: Eine zusätzliche Reinigungsstufe soll künftig Mikroverunreinigungen wie Medikamentenrückstände entfernen. Ein Regenbogen über der ARA begleitete die Gruppe zum anschliessenden Apéro, bei dem intensiv über lokale Lösungen für sauberes Wasser diskutiert wurde – etwa Zentralisierung in einer grossen ARA versus Reinigung in vielen kleinen Anlagen.

Nach einem kurzen Spaziergang durch den Hardwald erreichte die Gruppe das Pumpwerk Hard. Dort erklärte Stefan Wassmer, Abteilungsleiter Wasser bei Stadtwerke Winterthur, die Herkunft des Winterthurer Trinkwassers: Hauptquelle vom Trinkwasser in Winterthur und Umgebung ist der Tössgrundwasserstrom, welcher unter anderem in der Region Zell gefasst wird und dank konsequentem Schutz sehr sauber ist.

Winterthur hat über Jahrzehnte Land in der Grundwasserschutzzone Rämismühle/Zell aufgekauft und die Landwirtschaft dort auf konsequent biologische Bewirtschaftung umgestellt. Damit wurde die Wasserqualität sichergestellt, welche heute das saubere Trinkwasser garantiert. Wäre diese Umstellung nicht erfolgt, könnte Winterthur heute mit ähnlichen Pestizidrückstandsproblemen zu kämpfen haben wie Hettlingen, Seuzach, Neftenbach und andere Gemeinden.
Diskutiert wurde auch die mögliche Wiederinbetriebnahme lokaler Wasserfassungen, wie etwa die Hettlinger Fassung unter dem Polofeld. Eine ökologische Umstellung der umliegenden Landwirtschaft wäre Voraussetzung.
Auch wenn dies aus heutiger Sicht kurzfristig vielleicht noch nicht wirtschaftlich ist, sollten wir uns bewusst machen: Wasser ist eine begrenzte und unverzichtbare Ressource. Gerade deshalb lohnt es sich, frühzeitig die Diskussion darüber zu führen, wie wir die lokale Versorgungssicherheit stärken und das Wasser in Hettlingen, Seuzach, Neftenbach und Umgebung besser vor Verunreinigungen schützen können.
